Immer wieder taucht in Anlegerforen und sozialen Medien eine spektakuläre Frage auf:
Kann die Thyssenkrupp-Aktie durch einen möglichen 40-Milliarden-Euro-U-Boot-Deal auf 2.000 € pro Aktie explodieren?
Die kurze Antwort lautet: Nein – zumindest nicht auf Basis realistischer Unternehmensbewertung.
Die längere Antwort ist deutlich spannender.
Der Ursprung der Fantasie:
Marinegeschäft und Rüstungsboom
Thyssenkrupp ist über Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) einer der weltweit führenden Anbieter von konventionellen U-Booten. In Zeiten steigender Verteidigungsausgaben, geopolitischer Spannungen und neuer Sicherheitsallianzen wächst die Fantasie rund um große staatliche Rüstungsaufträge.
Ein kolportiertes Vertragsvolumen von bis zu 40 Milliarden Euro klingt dabei natürlich gewaltig – und befeuert Hoffnungen auf extreme Kurssteigerungen.
Doch genau hier beginnt der Denkfehler.
Warum ein 40-Milliarden-Deal nicht automatisch einen 2.000-€-Aktienkurs rechtfertigt
1. Marktkapitalisierung vs. Auftragsvolumen
Ein Aktienkurs von 2.000 € würde Thyssenkrupp auf eine Marktkapitalisierung im dreistelligen bis vierstelligen Milliardenbereich katapultieren – abhängig von der Aktienanzahl.
Das wäre ein Vielfaches dessen, was selbst globale Industrie- und Rüstungskonzerne heute wert sind.
Ein Auftrag – selbst ein sehr großer – ist nicht gleich Unternehmenswert.
2. Umsatz ist nicht Gewinn
Ein 40-Milliarden-Euro-Vertrag:
läuft über viele Jahre;
ist mit hohen Entwicklungs-, Material- und Personalkosten verbunden;
erzielt vergleichsweise moderate Margen;
Selbst optimistisch gerechnet bleiben davon nur einige Milliarden Euro Gewinn, verteilt über lange Zeiträume. Der Kapitalmarkt bewertet jedoch nachhaltige Ertragskraft, nicht bloß Auftragsvolumen.
3. Der TKMS-Spin-off ändert die Spielregeln
Das Marinegeschäft wurde separat an die Börse gebracht. Damit:
ist TKMS klarer bewertbar
liegt die Marktbewertung aktuell weit unter 10 Milliarden Euro
profitiert Thyssenkrupp selbst nur noch indirekt vom Erfolg der Marinesparte
Die Fantasie eines „Alles-in-einem-Konzerns mit riesigem Militärwert“ ist damit deutlich gedämpft.
4. Das übrige Thyssenkrupp-Geschäft bleibt herausfordernd
Stahl, Industrieanlagen und Werkstofftechnik stehen weiterhin unter Druck:
hohe Energiekosten
Umbau und Restrukturierung
schwankende Nachfrage
Diese Bereiche verhindern aktuell eine aggressive Gesamtbewertung des Konzerns.
Was ist realistisch?
Realistisch ist kein Kurs von 2.000 € – aber durchaus Potenzial.
Möglich sind:
moderate bis deutliche Kurssteigerungen, wenn
TKMS hohe Auslastung erreicht;
Verteidigungsausgaben langfristig hoch bleiben.
Restrukturierungen greifen
Neubewertungen einzelner Sparten, nicht aber eine Kursvervielfachung um Größenordnungen
Kurz gesagt:
📈 Wachstum ja – Kursfantasie mit Augenmaß.
🚀 Extremziele ohne Fundament bleiben Wunschdenken.
Fazit
Ein möglicher 40-Milliarden-Euro-U-Boot-Deal ist zweifellos strategisch bedeutend und kann Thyssenkrupp bzw. TKMS langfristig stärken.
Ein Aktienkurs von 2.000 € wäre jedoch nur mit einer wirtschaftlich nicht darstellbaren Bewertung erklärbar.
Für Anleger gilt daher:
Lieber solide rechnen als spektakulär träumen.
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